Bomber Harris did it again

Notwendige Kritik an der deutschen Erinnerungskultur in Würzburg

Sie wünschen sich »Gewaltüberwindung«. Sie fordern »Frieden« und »Nie wieder Krieg!«. Sie sind »auf der Suche nach einer zeitgemäßen Erinnerungskultur«. Vor allem geht es ihnen aber um »Versöhnung« – nicht ohne Grund gibt es in dieser Stadt sogar eine »Versöhnungsglocke«. Dass die Menschen im bayerischen Würzburg zurzeit derart in Friedensseligkeit verfallen, liegt an einem ganz bestimmten Datum. Am 16. März jährt sich zum 70. Mal der »Schicksalstag«, an dem Würzburg »im Bombenhagel der Alliierten unterging«, wie das Lokalblatt Mainpost es ausdrückt.

Die britische Royal Air Force (RAF) beschreibt das Ereignis im Rückblick etwas nüchterner: »225 Lancaster und 11 Mosquitos der No 5 Group attackierten Würzburg. Sechs Lancaster verloren. (…) Einer Nachkriegsuntersuchung zufolge wurden 89 Prozent der bebauten Fläche in der alten Domstadt mit ihren berühmten historischen Gebäuden zerstört.« Einen Monat zuvor hatte die No 5 Group bereits Dresden mit ähnlicher Wirkung angegriffen. Als Truppenteil des britischen Bomber Command unterstand sie dem Befehlshaber Arthur Harris.

Beim Angriff auf Würzburg starben ungefähr 5 000 Menschen. 3 000 Todesopfer, die aus den Trümmern geborgen werden konnten, wurden in einem Massengrab auf dem Hauptfriedhof bestattet. Das zu ihren Ehren errichtete Denkmal wird unter anderem von einem Gedenkstein für die gefallenen Landser flankiert. So sorgten die überlebenden Würzburger dafür, dass die Toten der Heimatfront und der Kriegsfront zumindest ideell nebeneinander ruhen – Volksgemeinschaft in alle Ewigkeit.

Für die britischen Soldaten, die während des Angriffs auf Würzburg starben, gibt es kein Denkmal, was wenig überraschend ist. Sechs Lancaster-Bomber mit jeweils sieben Besatzungsmitgliedern verlor die RAF. Nicht alle Soldaten starben beim Abschuss ihrer Maschinen. Ein britischer Flieger, der den Absturz überlebte, wurde zwei Tage später in einem Dorf nahe Würzburg gelyncht. Er war einer von Hunderten alliierter Soldaten, die nach dem Abschuss ihrer Maschinen sogenannten Fliegermorden zum Opfer fielen.

Nach dem Krieg verwalteten die Amerikaner Würzburg. Angesichts der Zerstörung der Stadt äußerte Gouverneur Murray van Wagoner, der Chef der amerikanischen Militärregierung in Bayern, eine überaus pragmatische Idee. Man solle die Stadt so belassen und als Museum für Kriegsverwüstungen nutzen.

Kompletter Text @ http://jungle-world.com/artikel/2015/11/51585.html





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: